Raus da! Der kleine Ausrüstungsguide: Kleidung

Auf geht es zum ersten Thema: Den Klamotten. Gerade bin ich aus Schweden von der Fjällräven Classic zurück und ich bin froh, dass ich mir vor meiner Abreise einige Gedanken über die passende Kleidung gemacht habe…

Wer nicht nur nackt herumlaufen möchte, wird spätestens beim Packen für die große oder kleine Reise mit den Überlegungen konfrontiert, was in die Tasche oder den Rucksack soll. Steigen wir dazu einmal etwas grundsätzlicher ein – das lohnt sich.

Die Zwiebel hat’s erfunden

Immer die passende Jacke, den passenden Pullover für jede Temperatur dabei zu haben, ist unterwegs bisweilen eine Herausforderung und außerdem auch gar nicht notwendig. Ich weiß zwar nicht, welche Gedanken sich die Zwiebel bei ihrer Entwicklung gemacht hat, doch es hat dazu gereicht, dass nach ihr ein grundsätzliches Bekleidungsprinzip benannt wurde.

Wer möchte, kann seit dieser grandiosen Erfindung seine Kleidung modular in Schichten einteilen. Die erste Schicht wird direkt auf der Haut getragen, die zweite sorgt je nach Temperatur und Temperaturempfinden für die Isolierung und die dritte hält das Wetter ab. Und nu? Jetzt erst mal überlegen wo es hin geht, wie warm/kalt, nass/trocken es dort ist.

Ich habe mir ja Nepal als Beispiel heraus gesucht. Und dieses Land bietet da eine große Bandbreite. In Kathmandu schwimmt man durch schwüle und durch Abgase angereicherte Luft. Dort reichen meist kurze Hosen und T-Shirt (und das ist hier kulturell auch in ordnung). Geht es in die Berge wird die Luft schnell dünner, klarer und kälter. In der Regenzeit kommen regelmäßige Regengüsse dazu.

Eine Regenjacke als dritte Schicht, bietet sich dann schon an. Und für die Wärme ein bis zwei Schichten aus Fleece. Wenn es richtig kalt wird, ist eine Daunenjacke unschlagbar. Aber nur, wenn es auch richtig knackig kalt ist, denn Daune ist sehr feuchtigkeitsempfindlich. Bei milderen Temperaturen sind Jacken mit einer Kunstfaserfüllung eine gute Alternative.

Diese Schichten lassen sich dann je nach Bedarf übereinander ziehen – die Zwiebel eben.

Don’t mix!

Polyester und andere Kunstfasern sind nicht cool. Sie trocknen schneller als Naturfasern. Wer schon einmal mit einem nass geschwitzten T-Shirt im Wind stand, weiß sehr genau was der s. g. Wind-Chill Effekt ist. Für die erste Schicht hat sich für mich daher ausschließlich Kunstfaser durchgesetzt. Ausschließlich? Nicht ganz. Eine Alternative stellt z. B. die Unterwäsche aus Merinowolle von Icebreaker dar. Wolle wärmt noch erstaunlich gut, wenn sie nass geworden ist, trocknet aber langsamer als Kunstfasern. Letztere können nämlich keine Feuchtigkeit in der Faser selbst aufnehmen.

Wer den Träger von Kunstfaserwäsche finden will, muss nur seiner Nase folgen. Trotz Silberionen und anderem Schnickschnack fängt diese schon nach kurzer Zeit an ihren ganz eigenen charakteristischen Duft zu verbreiten. Hier gibt es zwar auch Ausnahmen, doch in diesem Punkt ist die Merinowolle klar überlegen. Auch nach einer Woche Staub von außen und eifriger Transpiration von innen kann man es zumindest selbst noch ganz gut aushalten.

Was sicher für verzogene Gesichter sorgt ist Baumwolle. Vor allem, wenn man ein klitsch nass geschwitztes Baumwoll-Shirt unter der Gore-Tex Kleidung trägt. Das bringt nix außer dem stetigen Wunsch sich dieses nassen Lappens entledigen zu wollen. Und bitte auch bis zur Unterhose weiter denken. Die tolle Trekkinghose aus robustem Funktionsmaterial bringt nicht viel, wenn man das Gefühl hat eine nasse Windel aus Baumwolle zu tragen. Eine Funktionsunterhose ist dann ein kleines, aber feines Detail. Also: Don’t mix Kunst- und Naturfasern (Einzige Ausnahme: Die oben beschriebene Merinowolle)

Auch noch ein Punkt: Die Farbe. Der weiße Schlüpfer verwandelt sich nach einer Weile wie von selbst in eine Tigerunterhose. Vorne Gelb – hinten braun. Damit das gute Stück dieses Geheimnis für sich behält, könnte man auf die Idee kommen gedecktere Farben (nicht nur für die Unterwäsche) zu wählen.

Trocken bleiben

Wenn es draußen nass wird, ist es angenehm drinnen trocken zu bleiben. Dafür haben sich die Outdoor-Hersteller allerhand tolle Dinge einfallen lassen. Das bekannteste ist wohl die Gore-Tex Membran. In unterschiedlichen Versionen sorgt diese semipermeable Membran dafür, dass Wasserdampf von innen nach außen diffundieren, aber kein Wasser in die Jacke eindringen kann. Ähnliche Membranen und Beschichtungen gibt es auch von anderen Herstellern. Allen gemein ist die Atmungsaktivität. Die hängt von einigen Faktoren ab, die häufig vernachlässigt werden. Daher hier ein kurzer Ausflug dazu:

Mit wenigen Ausnahmen kann aus der Kleidung nur Wasser in Form von Dampf austreten. Je größer das Temperaturgefälle und je höher die Feuchtigkeitsdifferenz von innen und außen ist, desto besser funktioniert das. In den feucht warmen Tropen ist die Jacke zwar noch dicht, aber mit der Atmungsaktivität ist es nicht mehr weit her. Viel macht auch die Imprägnierung aus. Saugt sich das Außenmaterial voll, ist es für die Membran außen sehr nass und die Atmungsaktivität geht rapide zurück. Also: Immer schön imprägnieren!

Bei der Konstruktion gibt es unterschiedliche Modelle. Je aufwändiger eine Jacke gebaut ist, desto schwerer ist sie häufig auch. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich nur selten längere Zeit im Regen laufe. Deswegen habe ich mir eine kleine und sehr leichte Jacke zugelegt, die quasi nur als Backup im Rucksack schlummert.

Dies alles lässt sich natürlich auch auf eine regendichte Hose übertragen. Zum Trekken in Nepal macht eine ganz andere Hose Sinn, als für einen Eisklettertrip. Auch hier hat sich für mich ein sehr leichtes Modell als praktisch erwiesen. Mit leicht meine ich bei der Jacke unter 500 und bei der Hose unter 300 Gramm. Das hier sind z. B. meine Favoriten:

Jacke: Patagonia Strech Ascent Jacked (440 Gr.) – Das ist übrigens die erste wirklich gute Jacke aus Recycling-Material!

Hose: Berghaus Paclite Pant (200 Gr.) – Im mitgelieferten Packsäckchen ist die so groß wie eine Orange.

Aus was genau sollte nun die Kleidung für Dich sein? Die Antwort darauf kannst Du Dir nur selbst nur geben. Überlege Dir, was Du von Deiner Unterwäsche und Deinem Regenschutz erwartest und wähle entsprechend. Wichtig sind Passform und Funktion. Alles andere ist Marketing.

INFO: Wer noch tiefer einsteigen möchte, findet hier weitere Infos zu den einzelnen Schichten:

1. Schicht
2. Schicht
3. Schicht

Wenn Du jetzt noch wissen möchtest, was der Unterschied zwischen Hard- und Softshell ist, dann schreibe einen Kommentar. Ich schau dann mal, was mir dazu einfällt.

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3 Kommentare
  1. Christian Klant says:

    Hallo Gurko,

    na das sagt doch schon der Name 😉
    Aber mal mit Ernst: Es begab sich zu einer Zeit, als die meisten Wetterschutzjacken mit wasserdichter Membrane tatsächlich noch ziemlich hart im Material waren und es nicht viele Alternativen zu einer atmungsaktiven Bekleidung gab. Als erstes kam dann (ebenfalls von Gore) die Windstopper-Membrane. Die wurde meist zwischen zwei lagen Fleece laminiert und war schon ganz gut. Diese Jacken waren dann zwar recht soft im Griff, aber nicht viel atmungsaktiver, als Gore-Tex-Klamotten. Das war quasi der Vorläufer der Softshell-Jacken. Dann kamen diverse Hersteller und erfanden nach jahrelanger Entwicklung (hehe) die (tatata) Softshell-Jacke. Klassischerweise soft im Griff, ohne Membrane und (fast) komplett winddicht. Die sind dann zwar nur wasserabweisend, aber deutlich atmungsaktiver.

    Das ist dann eingeschlagen wie eine Bombe und jeder von nah und fern wollte so ein tolles Ding haben (ich auch).

    Für mich ist das eine Bekleidung für 80% aller Fälle. Schnee und leichter Regen sind kein Problem und selbst schweißtreibende Aktivitäten, wie der Weg zur nächsten Bushaltestelle können dem guten Stück nichts anhaben.

    Dann kamen die Hersteller auf die Idee den Gore-Tex Jacken noch den Zusatz „softshell“ im Namen zu spendieren. Tja. Der Rest ist Marketing und wer noch dran glaubt, der kauft auch heute noch Softshell-Jacken mit Gore-Tex-Membrane 😉

    Gruß

    Christian

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