Raus da! Der kleine Ausrüstungsguide: Schuhe

Ein Beitrag geschrieben von Christian Klant:

Ich gestehe: Ich bin ein Schuhfetischist. Wenn ich meine eigenen Laufschuhe, Kletterschuhe, Bergschuhe, Orientierungslaufschuhe und was sich sonst noch so findet zusammentrage, dann kommt ein ganz ordentlicher Haufen zusammen. In meiner Zeit als Schuhfachverkäufer habe ich die Beratung sehr genau genommen. Die Schuhwand mit den rund 150 unterschiedlichen Modellen sehe ich noch sehr genau vor mir. Abgesehen von den Kinder- und Damenmodellen hatte ich jeden davon mindestens einmal an meinen Füßen. So wusste ich genau, wie hoch der Schaft, wie breit der Leisten, wie fest die Sohle ist und welche Form die Fersenkappe hat. Ich habe so für jeden Schuh ein Gefühl entwickelt. Als erstes habe ich mir den Fuß des Kunden zeigen lassen und nach dem Einsatzgebiet gefragt. Danach konnte ich meist auf Anhieb das passende Modell in der passenden Größe vorhersagen.

Für mich sind Schuhe mit der wichtigste Ausrüstungsgegenstand. Die hat man am Tag mitunter 12 Stunden und länger an den Füßen. Und die beschweren sich, wenn die Dinger nicht passen. Egal für welches Modell Du Dich entscheidest. Nimm Dir Zeit, eine gute Beratung und laufe sie noch zu Hause ein. So könnt Ihr Euch in Ruhe schon einmal aneinander gewöhnen. Ich bin einmal mit fast neuen Hochgebirgsschuhen zu einer Hütte aufgestiegen – ohne die Fersen zu Tapen. Das Ergebnis sieht man auf dem Bild. Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, wie sich das Anfühlt, wenn man so wieder absteigen will. Und die sahen beide so aus…

Blase am Fuss

Blase am Fuss

Bei Material und Machart gibt es für Freunde des traditionellen Handwerks zwiegenähte Lederschuhe:

Wanderschuh traditionell hergestellt

traditioneller Wanderschuh

und ultraleichte Treter, die fast ohne Nähte auskommen für Freunde der Klebekunst:

High-Tech Wanderschuh

High-Tech Wanderschuh

Für was Du Dich entscheidest ist völlig egal – Hauptsache der Schuh passt zu Deinem Fuß. Leder kann sich im Laufe der Zeit besser an Deinen Fuß anpassen, ist dafür aber etwas schwerer und trocknet nicht so schnell, wie Kunstfasermaterialien.

Es gibt Schuhe mit und ohne wasserdichte Membrane. In der nepalesischen Regenzeit macht eine solche durchaus Sinn. Wer allerdings mit den gleichen Schuhen in der Hitzeperiode durch die Wüste wandern möchte, wird feststellen, dass der Atmungsaktivität Grenzen gesetzt sind. Überlege Dir also, wo Du die Schuhe auch in Zukunft tragen möchtest.

Hoch oder vielleicht doch hoch?

Auf vielen Wegen lauern Steine, Wurzeln und anderes Gezeug, die Deine schreibtischstuhl-trainierten Füße herausfordern. Bist Du es gewohnt, Dich in unwegsamem Gelände zu bewegen, dann reichen Halbschuhe für vieles aus. Solltest Du Dich allerdings auch nur im Ansatz bei dem Gedanken ertappen, dass es vielleicht doch besser wäre hohe Schuhe zu nehmen: Nimm hohe!

Noch ganz dicht?

Wer sich und seinen Sprunggelenken zutraut, mit Rucksack und Halbschuhen durch die Berge zu hüpfen, wird damit sicher seine Freude haben.

Aber Achtung: Der beste Gore-Tex Halbschuh wird mit Begierde all das Wasser auffangen, das von Deiner wunderbaren wasserdichten Hose herunter läuft. Ein tropisch-schmatzend, schäumendes Etwas aus Regenwasser und all dem, was Deine Socken bisher für sich behalten haben wird in Deinen Schuhen mit Zuverlässigkeit dafür sorgen, dass Deine Füße aufweichen und sich noch einmal genau überlegen, wo sie Dir eine bisher unbekannte Stelle für Blasen aller Art zeigen können.

Und nur um es klarzustellen: Wenn es zu warm für eine Regenhose ist oder Du sowieso immer kurz durch die Gegend läufst, kann das mit hohen Schuhen selbstverständlich auch so gehen.

Also: Wenn schon wasserdichte Schuhe, dann auch bis nach oben weiter denken und einmal schauen, was der Dachdecker mit den Dachziegeln macht. Die liegen nämlich aus gutem Grund so übereinander geschichtet.

Socken mit System

Bei einem Blick auf die Preise von Trekking-Socken wird mir manchmal schwindelig. Das müssen ja wahre Meister ihres Faches sein. Manche sind das sicher auch. Bei den Socken gilt das gleiche wie ich oben schon zur restlichen Bekleidung geschrieben habe: Don’t mix.

Die Tennissocken aus Fottee-Baumwolle dürfen gerne zu Hause darauf warten endlich mit den geliebten Sandalen das deutsche Klisché zu bestätigen. Mischgewebe bieten hingegen guten Tragekomfort und vor allem dauerhafte Passform.

Für mich hat sich bei den Socken ein Zwei-Schichten-System als hervorragend herausgestellt. Dazu nehme ich ein paar sehr dünne Socken als Liner und trage darüber ein Paar mitteldicke Trekkingsocken. Das hat zwei Vorteile. Zum einen braucht man weniger von diesen sauteuren Trekkingsocken und kann die Liner-Socke wechseln und waschen, während die Trekking-Socke mit einem weiteren Paar Liner noch weiter getragen werden kann. Zum anderen bilde ich mir ein, dass so die Reibung eher zwischen Socken und Socken und nicht zwischen Socken und Fuß entsteht. Das reduziert Blasen und sorgt für freudiges Wandern.

An dieser Stelle eine klare Empfehlung für die zweite Sockenschicht: Die Firma‚ Fanny Veith stellt Wollsocken in unterschiedlicher Dicke her, die durch einen Polyamid- und Elastan-Anteil eine richtig gute Passform bekommen. Ich habe einige Hersteller durchprobiert und noch kein Fabrikat gefunden, das so formstabil ist, und das über Jahre und viele Maschinenwäschen hinweg. Ein klares: Strong buy!

Wer noch mehr über Schuhe lesen möchte, der kann hier mal nachschauen oder einen Kommentar schreiben. Ich lasse mir dann wieder etwas einfallen 🙂

Kommentar:

Du findest Christian bei Facebook und über seine Webseite.

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1 Antwort
  1. Alfred Berlin Hypnose says:

    Mein Mitleid für die Verwundung der Fersen. Bis zum nächsten Wandern wird alles wieder gut.

    Die Wahl der richtigen Schuhe und Socken ist sehr wichtig. Hatte ich selbst am letzten Wochenende gemerkt. Nach vier Stunden Waldspaziergang.

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