mit Komfortzonenübung eigene Vermeidungsstrategien herausfinden

Heute bin ich mit Leif, einem Freund von mir, losgezogen, um eine von ihm kreierte Komfortzonenübung auszuprobieren. Entwickelt hat Leif sie eigentlich nicht weil er damit seine erweitern wollte, sondern er möchte sich damit auf eine lange Reise vorbereiten. Eine Reise quer durch Europa und Asien bis nach Schanghai. Für mich war gleich als er mir davon erzählt hat klar, dass ich das auch machen möchte und ich dafür sicher stark aus meiner muss. Ich habe die Übung daher auch gleich noch in mein Buch aufgenommen. 😉

Die Aufgabe ist eigentlich ganz einfach: Finde eine Übernachtungsmöglichkeit für heute Nacht, vielleicht sollte ich noch dazu sagen, eine Übernachtungsmöglichkeit, die Dich nichts kostet. Der Hintergrund ist, dass Leif ohne Geld bis nach Schanghai reisen möchte und daher ständig kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten benötigt. Wir haben uns aber auch gedacht, dass das eine super Möglichkeit ist immer wieder neue Menschen kennen zu lernen. Ziel ist es, bei jemand Fremdes zu übernachten und natürlich auch den Abend dann mit ihr/ihm zu verbringen.

Die Aufgabe schien uns sehr spannend und auch sehr einfach. Wir haben vorher Freunde und Bekannte gefragt was sie davon halten und was sie tippen, wie viele Menschen wir ansprechen müssen, bis wir jemanden für eine Übernachtung gefunden haben. Die Meisten haben 10 gesagt.

Wir waren also hoch motiviert und haben uns für heute 11 Uhr ausgemacht. Wir wollten eine Stunde lang Leute ansprechen oder mindestens so lange bis wir jemanden gefunden haben, der uns für eine Nacht aufnehmen möchte. Gesagt getan, denkste. Wir haben erstmal anderthalb Stunden anderweitig „vertrödelt“. Ok, wir haben gute Gründe gehabt, warum wir erst so viel später losgekommen sind. Wir mussten ja noch wichtige Dinge klären. 😉 Was wir da so geklärt haben kannst Du demnächst selber hören, denn Leif hat davon einen Mitschnitt gemacht.

Gegen halb 1 sind wir dann also endlich los. Waren das etwa schon Vermeidungsstrategien? Warum haben wir das so lange heraus gezögert? Wir wussten doch, dass wir es sowieso machen werden. Naja, wir sind dann Beide los und hatten auch gleich unser erstes AHA Erlebnis. Vor uns lief ein netter Herr, der sich sogar wegen unseres Gespräches zu uns umgedreht hat, aber keiner von uns Beiden hat ihn angesprochen. Später waren wir uns Beide einige, dass er sicher ja gesagt hätte. Wir haben uns dann getrennt und jeweils allein die Leute angesprochen, oder auch nicht.

Ich muss gestehen, dass ich keinen einzigen angesprochen habe, eine ganze Stunde lang. Trotzdem war diese Übung sehr interessant für mich, denn ich konnte beobachten was ich alles für Ausreden gefunden habe, um es nicht machen zu müssen. Richtig spannend wurde es, als ich dann noch irgendwie dafür gesorgt habe, dass ich eine Freundin getroffen habe, die ich schon über ein Jahr nicht mehr gesehen habe. Sie hat ihren Freund zum Arzt begleitet, obwohl sie eigentlich ganz woanders wohnen. Das war für mich natürlich ein willkommener Grund um über eine viertel Stunde die Übung zu vergessen.

Das alles gibt mir sehr zu denken. Wenn ich es schon schaffe bei so offensichtlichen Dingen so gute Vermeidungsstrategien zu finden, dass ich eine Stunde lang nicht die wirklich Übung gemacht habe, was mache ich dann, wenn ich es nicht so bewusst mitbekomme? Ok, ich wusste vorher, dass es mir nicht leicht fällt fremde Menschen anzusprechen, aber daran arbeite ich, auch mit dieser Übung und eins verspreche ich Dir, ich werde noch einige Nächte bei Menschen verbringen, die ich durch diese Übung näher kennen lerne. Ich bleibe dran. 🙂

Ich werde aber auch schon meine Erfahrungen aus dem heutigen Tag nutzen, um mich genauer zu beobachten. Wann erkenne ich bei mir ähnliche Strategien? Wann kommt zufällig ein Freund vorbei, wenn ich gerade etwas wichtiges zu erledigen habe, oder wann ruft genau dann einer an? Wann finde ich andere „gute“ Erklärungen, um etwas nicht zu tun, was eigentlich sehr gut für mich wäre. Was könnte der Hintergrund sein? Was möchte ich vermeiden? Wozu diese Vermeidungsstrategien?

Kennst Du das auch? Hast Du auch Situationen, in denen Du merkst, dass bei Dir Vermeidungsstrategien ablaufen und trotzdem gibst Du ihnen nach? Wie durchbrichst Du diese Strategien? Schreibe mir!

 

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6 Kommentare
  1. Dirk says:

    Guten Morgen Sascha,
    nein, das kenne ich überhaupt nicht ;-), denn eigentlich sollte ich dringend an meiner Steuererklärung arbeiten, die ich Freitag abgeben muss und statt dessen lese ich Deine interessanten Berichte…
    Gefällt mir sehr gut und ich lerne viel !!!

    Viele Grüße nach Berlin, Dirk

  2. Leif says:

    Uhhh, das war ein schöner und sehr erfolgreicher Start in dieses geile Projekt. Ich will hier kurz ein paar meiner Erfahrungen schreiben, was mir so auffiel bei unserem Experiment. Ich habe ganze 15 Minuten gebraucht um überhaupt jemanden anzusprechen, dann habe ich immerhin 12 Menschen gefragt, die mir entgegenkamen, die ich sympatisch fand und die mich mindestens mal kurz angeschaut haben. Bei einigen die ich ansprechen wollte ist mir allerdings förmlich das Wort im Hals stecken geblieben und im Nachhinein muß ich feststellen, es wären wohl die gewesen, die am ehesten zugesagt hätten. Allem voran der „nette Mann“ den Sascha schon beschrieben hat.

    Was mir noch auffiel war, die tiefe Wirkung die die Frage „kann ich heute bei dir übernachten“ bei vielen der so Angesprochenen auslöste. Einige gingen gleich in das nächste Geschäft oder blieben etwas später stehen um nachzudenken. Manchmal hatte ich das Gefühl der Eine oder die Andere würde gleich nochmal zurückkommen. Ich glaube fast alle hat die Frage noch lange beschäftigt.

    Warum habe ich die Menschen, bei denen ich intuitiv ein Ja erwartet habe nicht fragen können? Was hat mich da blockiert? Ich werde es herausfinden oder noch besser gleich beim nächsten mal abstellen!

    PS: Wen interessiert wie ich genau gefragt habe und welche Antworten kamen, kann sich einen Zusammenschnitt auf meiner Homepage anhören http://www.itsleif.com

  3. Blazej says:

    Die letzten 60 Minuten – Eine kleine Nachlese

    ca. 12:30 sitze ich im Unterricht und bin gelangweilt.

    Ich tippe http://www.creative-linguistics.de in den Browser, um zu sehen was die Leuts im www so treiben.

    Ich entdecke erfreut Saschas neuen Eintrag und lese gerade zu empört über die Schwierigkeiten, die sich einem Komfortzonler so in den weg stellen… 😉

    Ich denke mir: „Geil!“ und höre gleichzeitig eine anstößige Stimme sprechen: „So aber nicht!!“

    ca. 13:00 Uhr ich habe einen Artikel bei „Sonstiges“ im Forum eingestellt und gehe in die Mittagspause.

    Auf dem Weg nach unten durchs Treppenhaus denk ich mir: „Hm welche Kriterien müsste eine Person erfüllen damit ich SIE bei mir übernachten lasse?“ und bin ganz fest entschlossen: „Die nächste Person, die mir über den Weg läuft spreche ich an!“
    Ich öffne also die Türe und trete hinaus durch die Raucherzone unserer Schule und sehe in lauter verdutzte Gesichter. „Hm, die nicht. Irgendwie hab ich mir die anders vorgestellt…“ Ich überlege mir auf dem Weg zur Tram, dass ich mit einer Taktik vorgehen werde. Anstatt auf die unvorbereiteten Leute loszustolpern und Sie all zu direkt in dei Flucht zu jagen, komme ich mit einem Plan auf. Also: „Hallo, darf ich Ihnen eine Frage stellen? (Als wenn ich das nicht gerade schon tun würde. *grins*) Ein Freund von mir, hat mir erzählt, dass er kostenlos nach Shanghai reisen möchte. Dazu benötigt er kostenlose Schlafplätze… (Ich erzähle Eure Geschichte und frage zum Abschluß:) … welche Kriterien müsste jemand erfüllen damit er bei IHNEN heute nacht bei Ihnen übernachten dürfte? …

    Das alles geschieht noch auf dem Weg zur Tram. Ich stelle fest, keine interessanten Menschen zu sehen. Hm.

    13:06 Uhr Ich sitze in der Tram und sehe immer noch keine interessanten Menschen. Immerhin eine Blondine steigt zu uind setzt sich. Ich denk mir jetzt… oder, oder… oder naja… Nie. Als ein Mann, Bauarbeitertyp hinzusteigt und sich neben die Frau setzt, stelle ich fest, dass mein Herz schon schnell schlägt und ich mich gerade tierisch unter Druck setze… erst mal tief durchatmen … und zurücklehnen. Die richtige Person (in meiner Vorstellung eine hübsche junge Frau) wird schon kommen.

    Die Tram fährt los…

    Ich beschäftige mich damit zu visualisieren wie alles gut geht, mich die Leute mit einem warmen Lächeln empfangen und wir uns gleich sympathisch sind. Sich einstellende Negative Bilder lasse ich mit lautem klirren zerspringen und freu mich an den lächelnden Menschen, die so gleich dahinter wieder erscheinen. Ich suche Augenkontakt und sehe so gut wie allen Menschen tief in die Augen und frage Sie mental, was und wie ich es wohl tun müsste, um heute abend bei Ihnen übernachten zu dürfen. Als die Leute beginnen entspannt und offen zurückzusehen, denke ich mir: „So machen wir das, liebes Unterbewußtsein!“

    13:11 Uhr Die Tram hält, ich laufe nach Hause, genieße das sonnige Wetter und beobachte ein alternativ ausschauendes Pärchen beim Flirten. „Ob die sich gerade erst kennen gelernt haben? Ob die mich bei sich übernachten liessen“ Ich trau mich nicht und denke die ganze folgende Zeit über das Projekt nach, Finde immer mehr Ausreden, etc. Sage mir ich solle nicht weiter drüber nachdenken und als ich um

    13:25 Uhr meine Wohnung wieder verlasse denke ich: “ So ein Scheiß!! Wer braucht den so was überhaupt? Blödes Projekt. Scheiß Komfortzone und überhaupt. Irgendwelche Sachen passieren lassen damit man so tun kann als ob man irgendwie drüber steht und das irgeindeinen Nutzen haben würde *#+*~##* „, und schließe die Tür hinter mir zu.

    Ich gehe raus und laufe wieder durch meine Straßen die mit Sonnenschein gefüllt sind und genieße mein Mittagspausenfeeling.
    Ein Mädel fotografiert und grinst mich an. Ich laufe an Ihr vorbei und finde sie und Ihre Tätigkeit interessant. Und naja: „Jetzt oder Nie!!“ Ich drehe mich um und gehe zu Ihr hin. Sie sieht mich erschrocken an, packt Ihre Kammera und läuft im Marschschritt davon. Ich denk mir:“Huh?“, find’s irgendwie lustig und fühl mich gut!“

    13:29 Uhr Die Tram kommt angefahren und ich steige ein. Ein Mädel gefällt mir und als ich sie ansprechen will, steigt sie aus der Bahn aus und wirft mir noch einen einladenden Blick zu. „Das hätte lustig werden können“, denke ich mir und sehe einen Mann, geschätzte 30 – 35 Jahre jung, mit ziemlich fokusiertem und magnetisierendem Blick, dasitzen.

    13:30 Uhr Schon finde ich mich Ihm gegenüber, mit den Worten: „Hallo darf ich Sie etwas fragen…“ wieder. Ich bin ganz ruhig. So, er hört sich die Storry an und antwortet: „Der erste Eindruck müsste stimmen, irgendwie müsste die Person sympathisch sein, so dass ich sagen würde, hey lass uns mal ein Bier trinken…“ Ich grins mir einen ab und frage: „Hätte ich diese kriterien erfüllt? Also, ähm, habe ich diese Kriterien erfüllt.“ Er sagt: „Ja.“ Jetzt fängt mein Herz an zu pochen. „Öäähm, also könnte, ähm kann ich heute nacht bei Ihnen übernachten?“ „Ja.“ „Darf ich Ihre Nummer haben?“ „Ja.“ Ich freu mich wie blöd und tippe seine Nummer in mein Handy. Der Typ ist echt cool drauf denk ich mir und wir vereinbaren das Du.

    Wir unterhalten uns noch ein wenig und stellen so manche Gemeinsamkeit fest! Supercool!! Wir sind für heute abend auf ein Telefonat verabredet und wer weiß wo ich heute Nacht noch landen werde?

    Danke für den tollen, inspirierenden Eintrag von Euch, ohne den ich wohl gerade kaum die Idee gehabt hätte so eine interessante Person kennen zu lernen…

    Was steckt da doch für Potential in einer genutzten Stunde?

  4. Alex says:

    Große Klasse! Sowohl die Idee als auch eure Erläuterungen, was da bei euch so an Gedanken abgeht. Toll ist auch als Anregung der Audiomitschnitt auf Leifs Seite, da bekommt man gleich mal eine ganz konkrete Anregung, wie man so etwas angehen könnte. Dabei wird völlig klar dass das auch eine Komfortzonenübung ist für den der gefragt wird.Es wird deutlich, dass ihr den normalen Passanten mit so einer Frage überrumpelt. – Ich glaub wenn ich jemanden einfach so frage, wie Leif das gemacht hat, und der dann sofort ja sagt, dann käme mir das erstmal verdächtig vor. Mit der richtigen Story geht’s dann wahrscheinlich einfacher

  5. Babs says:

    Sehr interessantes Thema!
    Meine Strategie dazu ist „move closer, stay longer“ (die Bezeichnung sagt schon alles).
    Genau zwischen meiner Komfortzone (in der ich keine Motivation zu Veränderung habe) und meiner Angstzone (in der nur noch meine Instinkte zuschlagen), befindet sich der Bereich in dem ich lernen kann.

    Herzliche Grüsse
    Babs

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