Die Zukunft des Digitalen Lernens

In den letzten 2 Jahren habe ich einige Online Marketing Ausbildungen für verschiedenste Anbieter gegeben. Bis Dezember letzten Jahres liefen die immer so, wie man sich das so vorstellt. Ich stand vorn und vor mir saßen mehr oder weniger viele, die mir interessiert zuhörten. Doch im Dezember hat sich alles geändert. Ein Anbieter wollte das unbedingt mit mir machen, aber die Teilnehmer waren über ganz Deutschland verteilt. Ich kam also morgens bei dem Anbieter an und wurde in einen kleinen Raum begleitet. Ein Tisch, ein Computer, zwei Monitore, ein Mikro, Lautsprecher und ein Kleiderständer, das wars, mehr war nicht in diesem Raum. Zum Glück hatte der Raum wenigstens noch ein Fenster.

Ich habe mich also an den Rechner gesetzt, die nötigen Programme gestartet und mir so gedacht: “Das kann ja nicht so schwer sein, einige Webinare habe ich ja schon gemacht.”, und losgelegt. Und ich kann Dir sagen, so richtig Spaß hat mir das nicht gemacht. Ich habe geredet und geredet. Keine Ahnung ob mir überhaupt jemand zuhört, keine Ahnung ob sie verstehen was ich erzähle, keine Ahnung ob Fragen da sind (es traut sich kaum jemand Fragen zu stellen). Auch die Interaktion mit den Teilnehmern gestaltet sich schwierig, selbst wenn ich konkret Fragen stelle, kommen Antworten nur sehr zögerlich. Dafür wird der Chat ausführlich genutzt. Ich lasse mich also immer wieder ablenken, um zu schauen ob da eine wichtige Frage für mich drin ist. Schließlich habe ich die drei Tage gemeistert und die Teilnehmer waren auch sehr zufrieden, aber so richtig mit dem Medium angefreundet habe ich mich nicht.

Im Januar hatte ich gleich die nächste Möglichkeit mich mit dieser Methode der Wissensvermittlung zu beschäftigen. Ich durfte eine Weiterbildung geben, wo der Großteil der Teilnehmer vor Ort waren und ein paar über ganz Deutschland verteilt. Diesmal hatte ich sogar ein sogenanntes Smartboard und ich weiß, sobald das in meinem Budget liegt hängt auch bei mir eins. Der Raum hatte auch zwei Kameras und ein Raummikrofon. So konnte ich ganz normal vorn stehen, halbwegs normal die Tafel benutzen und auch mit den Teilnehmern interagieren. Größtenteils hat das auch mit den Teilnehmern, die nicht vor Ort waren, funktioniert. Nur wenn es Probleme gab, Dinge nicht so funktioniert haben, wie sie sollten, dann wurde es schwierig.

Aus diesen beiden Erfahrungen schließe ich auf nötige Entwicklungen, die dafür sorgen können, dass das digitale Lernen sich noch schneller verbreitet. Bevor ich dazu komme möchte ich aber auch noch den Blickwinkel des Teilnehmers, bzw. Selbstlerners einnehmen.

Ich bin absoluter Autodidakt, was dazu führt, dass ich zwar für fast nichts ein Zertifikat habe, trotzdem eine ganze Menge weiß. Ich liebe es mich selbst wann immer ich will mit den Themen zu beschäftigen, die mich interessieren. Ich habe schon an unzähligen Webinaren teilgenommen und viele Kurse durchlaufen. Angefangen hat alles mit meinem Fernstudium an der Universität Hagen. Das lief noch komplett undigital ab. Damals habe ich mir die heutigen Möglichkeiten gewünscht. Aber auch heute gibt es noch einiges, was sich aus meiner Sicht verbessern lässt.

Ideen zur Optimierung des Digitalen Lernens

Aus beiden Blickwinkeln heraus habe ich mir überlegt, wie sich das digitale Lernen entwickeln sollte, damit es für beide Seiten noch mehr Spaß macht und noch produktiver und effektiver ist. Über die verschiedensten Vorteile des digitalen Lernens will ich an dieser Stelle gar nicht schreiben, sondern eher darüber, wie sich die momentanen Nachteile beheben lassen.

Inhalte für digitales Lernen optimieren

Im Moment findet der Großteil des digitalen Lernens noch klassisch statt, nur eben digital. Man muss was lesen, sich anhören oder ansehen, verliert aber meistens die Möglichkeit der Interaktion, mit dem Lehrer und den anderen Mitschülern. Dabei bietet die moderne Technologie so viele Möglichkeiten, die das Lernen erleichtern und beschleunigen können. Immer mehr Kurse gehen dazu über die Inhalte in Form von Videos zu vermitteln, was mich ja total nervt. Ich lese gern und vor allem schnell. Ich kann mein Lesetempo dem Stoff anpassen und im Zweifelsfall Sätze, Absätze, Seiten oder ganze Kapitel überfliegen. Bei einem Video ist das nicht möglich. Ok, ich kann ein Video in doppelter Geschwindigkeit ablaufen lassen, aber das war es auch schon. Ich tendiere daher schnell dazu nebenbei ein paar Emails zu beantworten, ein wenig für den nächsten Artikel zu recherchieren oder anderen Tätigkeiten nachzugehen. Das führt dann wiederum dazu, dass ich vom Video noch weniger mitnehme. Für mein Empfinden müssen die Kurse in Zukunft sehr viel interaktiver werden und sich an die Geschwindigkeit des Lernenden anpassen.

Ich stelle mir Lernumgebungen vor, wo ich Aufgaben bekomme und Themen selbst erforschen kann und erst, wenn ich nicht weiter komme konkret an der Stelle Unterstützung bekomme. Gerade wenn man den Umgang mit Software lernt kann ich mir das sehr gut vorstellen. Aber auch bei anderen Themen kann ich mir das vorstellen. Und für Leute wie, die nicht wie ich gern erstmal experimentieren, sondern erstmal einen Überblick über ein Thema brauchen, für die gibt es dann eben immernoch Video. Wichtig wäre mir dabei, dass man jederzeit aus dem einen Modus in den anderen Modus wechseln kann und man dann auch immer genau an der Stelle weitermacht, wo man gerade gewechselt ist. Das würde natürlich voraussetzen, dass der Kurs mitbekommt, an welcher Stelle ich gerade hänge, was ich schon alles erfolgreich erledigt habe und was noch offen ist. Für Kinder gibt es schon verschiedenste Lernapps, die das ansatzweise schon umsetzen. Ich bin gespannt, wann es das für die Erwachsenenbildung gibt. Mir ist dabei bewusst, dass das mit einer Menge Aufwand verbunden ist, der sich auch lohnen muss.

Zusammenarbeit ermöglichen und vereinfachen

In der klassischen Lernumgebung kann man ganz einfach, mitten im Kurs, kurz Gruppen bilden, die dann miteinander an einer konkreten Aufgabenstellung arbeiten. Das ist beim digitalen Lernen sehr viel schwieriger. Wenn der Kurs live stattfindet, dann geht das noch halbwegs, ist aber je nach Software mit mehr oder weniger großen Schwierigkeiten verbunden. Schön wäre es, wenn z.B. der Lehrer dann einfach Gruppen einteilen könnte und die Gruppe würde sich automatisch in einem separaten “Raum” wiederfinden. Dort können Sie gemeinsam chaten, sind unterhalten und auch gemeinsam an Dokumenten arbeiten. Vielleicht haben sie auch eine gemeinsame virtuelle Tafel, die sie dann später allen präsentieren können. Der Lehrer muss die Möglichkeit haben sich in jeden der Räume einzuklinken, mitzudiskutieren usw. Außerdem muss er die Möglichkeit haben für alle etwas anzusagen oder zu zeigen. Und schließlich müssen die Schüler auch anzeigen können, dass sie gern hätten, dass der Lehrer bei ihnen im Raum vorbei schaut. Wie schon gesagt müssen die Schüler am Ende der Aufgabe die Möglichkeit haben ihre Dokumente, Tafelbilder usw. der gesamten Gruppe zu präsentieren. Technisch ist das auf jeden Fall möglich, aber bis jetzt habe ich keine Software gesehen, die das wirklich konsistent umsetzt. Ich rechne allerdings in naher Zukunft damit.

Schwieriger ist es, wenn der Kurs nicht live stattfindet. Da werden dann Gruppen, sei es auf Whatsapp, Facebook oder sonstwo eingerichtet, in denen die Teilnehmer Fragen stellen und miteinander diskutieren können. Den gleichen Effekt wie mit gemeinsamen Übungsgruppen hat man aber nicht. Ich glaube, dass es wichtig beim Lernen ist sich auszutauschen. Es ist wichtig zu sehen, wie andere an eine Aufgabe heran gehen, wie sie eine Lösung finden und was dabei funktioniert und was nicht. Deswegen tendiere ich dazu in Online Kursen kleine Teams aufzustellen. Am Liebsten wechsle ich die Teams während des Kurses auch immer wieder. Leider fehlt mir da noch die Software mit der das wirklich einfach möglich ist. Die Teams müssen sich mit Skype oder Hangout oder so arrangieren, was meiner Meinung nach noch nicht mal im Ansatz all die Möglichkeiten bietet, die so ein virtueller Klassenraum, wie oben beschrieben, bietet. Es muss den Teilnehmern möglich sein gemeinsam an Dingen zu arbeiten, nicht nur darüber zu sprechen. Und es muss möglich sein die Ergebnisse dem Lehrer zu präsentieren. Natürlich gibt es schon sehr viel Kolaboration Software, die es Teams ermöglicht mehr oder weniger einfach miteinander zu arbeiten. Nur meistens ist das mit Einarbeitungsaufwand verbunden. Und gerade bei Teilnehmern, die nicht so Computer affin sind geht dadurch der Fokus verloren, da sie mehr mit dem Erlenren der Tools beschäftigt sind als mit dem eigentlichen Thema. Ich glaube auch da kann man noch einiges machen und es wäre toll, wenn das z.B. direkt in Webinar Software integriert wird.

Mitarbeit vereinfachen

Für mich ist die Mitarbeit wichtiger als eine Prüfung. Ich weiß schon vor der Prüfung, wie gut jemand in der Prüfung abschneidet. Mir geht es dabei nicht darum wie oft sich jemand gemeldet hat, sondern ich interagiere mit den Teilnehmern. Ich erkenne dadurch auch, ob sie verstanden haben, was ich gerade erklärt habe, ob ich nochmal etwas besser erklären muss oder ich schneller voran gehen kann. Das hat nicht nur für mich, sondern auch für die Teilnehmer Vorteile. Bei Kursen, die nicht live sind ist das mit der Mitarbeit natürlich schwierig und mir fällt auch noch nichts ein, wie man das da unterstützen kann. Bei Kursen, die live stattfinden, sollte das aber möglich sein. Als ersten Schritt ist mir als Lehrer wichtig, dass ich meine Teilnehmer sehe. Ich weiß, dass das nur geht, wenn die Teilnehmerzahl eher niedrig ist. Wenn sie höher wird ist es für mich aber auch kein Kurs mehr, sondern eher ein Vortrag. Bei 20 Teilnehmern sollte es aber noch möglich sein sie auch alle zu sehen. So kann ich erkennen, wie das vermittelte Wissen bei ihnen ankommt. Außerdem verhindert es ein bisschen, dass sie sich mit anderen Dingen ablenken, vom Rechner weggehen und ähnliches, bzw. ich bekomme es mit und kann darauf eingehen. Bei jedem Bild sollte dann natürlich auch der Name stehen, so dass ich denjenigen direkt ansprechen kann.

Auch sollten Wortmeldungen sehr viel einfacher möglich sein. Im Moment ist es nötig die Mikrophone stumm zu schalten, weil sonst alle möglichen Nebengeräusche zu hören sind. Wenn dann ein Teilnehmer was sagen möchte wird sein Impuls dadurch unterdrückt, dass er erst das Mikrofon wieder einschalten muss. Für mein Empfinden muss das automatisch funktionieren. Die Software muss erkennen, ob es sich um Nebengeräusche oder eine Wortmeldung handelt. Auch muss es möglich sein, dass die Teilnehmer miteinander diskutieren, so wie im Klassenraum eben auch. Technisch sollte beides (Bildübersicht und automatischer Ton) möglich sein und ich bin gespannt, ob und wann es das tatsächlich gibt.

So weit aus meiner Sicht einerseits als Lehrer und andererseits als Teilnehmer an vielen Kursen. Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade die Zukunft des digitalen Lernens teil. Ich schreibe in diesem Blog noch über viele verschiedene Dinge, die mein Leben beeinflussen, sei es Lernen, persönliche Entwicklung und vieles mehr. Wenn das Themen sind die Dich interessieren, dann solltest Du Dich zu meinem Newsletter anmelden:


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