hin zu vs. weg von Motivation

Zu meinen letzten Beiträgen habe ich immer wieder das Feedback bekommen, dass es scheinbar nicht so optimal ist, sich weg von zu motivieren, sondern es doch besser wäre, wenn ich mich hin zu motiviere. Der Anlass war, dass ich mich dazu verpflichtet habe jeden Tag eine Stunde zu schreiben und, um diese Verpflichtung zu unterstützen, habe ich jemandem 1000 Euro gegeben, die ich nur wiederbekomme, wenn ich jeden Tag schreibe. Das ist eine weg von Motivation, weil ich mich zum Schreiben motiviere, indem ich mich vom möglichen Verlust meiner 1000 Euro weg bewege. Die Empfehlung einiger Leser war es, mich lieber dadurch zu motivieren, dass es mir Spass macht und indem ich das Ziel vor Augen habe. Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht und möchte die gerne mit Dir teilen, vielleicht hilft Dir das ja auch Dich zu motivieren.

Unterschied hin zu und weg von Motivation

Wie der Name schon sagt, motivierst Du Dich bei der hin zu Motivation indem Du Dir Dein Ziel vorstellst und Dir bewusst machst wie toll es ist, wenn Du dieses Ziel erreicht hast. Im Gegensatz dazu motivierst Du Dich mit der weg von Motivation dadurch, dass Du von einem Zustand weg möchtest. So wäre hin zu in dem Zusammenhang mit dem täglich schreiben zum Beispiel, dass ich mir vorstelle wie mein nächstes Buch fertig ist und wie begeistert die Leser dann sind. Weg von ist eben, dass ich nicht die 1000 Euro verlieren möchte.

Es gibt aber einen weiteren sehr entscheidenen Unterschied. Meiner Erfahrung nach wirkt die weg von Motivation kurzfristiger, aber dafür sehr viel stärker. Zum Beispiel gibt es viele Menschen, die gerne einen noch tolleren Job haben wollen. Sie bewegen sich aber nicht, denn so schlecht ist der aktuelle auch nicht. Dann wird ihnen ein neuer Chef vorgesetzt und der ist ein richtiges Ekel. Plötzlich fangen sie dann an sich einen neuen Job zu suchen. Ich sag mir dann immer, dass sich viele Menschen erst bewegen, wenn der Leidensdruck groß genug ist.

meine ideale Art der Motivation

Für mich widersprechen sich diese beiden Arten nicht. Sie haben beide ihre Vor- und Nachteile. Daher entscheide ich mich auch nicht zwischen ihnen, sondern kombiniere sie. Natürlich ist es toll, wenn mein nächstes Buch fertig ist. Darauf freue ich mich schon und das stelle ich mir auch regelmäßig vor. Andererseits gibt es Tage, wie zum Beispiel heute, da habe ich aus unterschiedlichsten Gründen keine Lust. Ich bin gerade beim Trainer Track in Thailand und ein paar Teilnehmer wollten mit mir heute Abend noch losziehen. Natürlich wäre ich da gerne mit und wenn mich das dann nicht 1000 Euro kosten würde hätte ich es vermutlich gemacht. Mir helfen die 1000 Euro also auch in solchen Zeiten an meine Prioritäten zu denken.

Spannend ist, dass ich schon merke, dass ich gar nicht mehr so richtig an die 1000 Euro denke, sondern dass ich anfange einfach zu spüren wie wichtig es mir ist, dass ich heute noch eine Stunde schreibe. Das heißt, dass ich vermutlich bald diesen Trick gar nicht mehr brauche, weil ich einfach den Drang dazu habe. Bis es so weit ist, hilft mir dieser kleine Trick aber sehr gut.

Mir ist leider noch keine andere Möglichkeit eingefallen, wie ich sonst mit diesen kurzfristigen Freuden, wie mit Seminarteilnehmern weggehen, ignorieren kann und mich lieber der langfristigen Freude, dem fertigen Buch widmen kann. Wenn Du da einen hin zu Trick weißt, dann schreibe ihn mir bitte in die Kommentare. In meinem Kopf geht in solchen Situationen ungefähr folgendes ab: „Ach, das ist ja nicht so schlimm, das kann ich ja mal machen.“ oder „Naja, ich mache das jetzt mal und hole das Schreiben morgen nach.“ So oder so ähnliche Gedanken/Ausreden kommen in mir dann auf. Wenn ich denen einmal nachgebe, dann führt das dazu, dass ich am nächsten Tag statt einer Stunde gleich zwei Stunden schreiben muss. Dann wird es für mich aber noch schwieriger Nein zu sagen, wenn mich Teilnehmer wieder fragen, ob ich mitkomme. Ganz schnell ist dann der Trainer Track vorbei und ich habe an keinem Tag geschrieben.

Ich habe natürlich trotzdem das neue Buch im Kopf, aber dann wird es eben einen Monat später fertig, ist ja nicht schlimm, stört ja keinen, außer mich. Das heißt, das Ziel ist zwar da, aber es ist noch so weit weg, die Motivation reicht mir nicht, um stärker zu sein, als ein paar kurzfristige Freuden. Da kommt die weg von Motivation ins Spiel. Wenn mich das mit den Teilnehmern weggehen plötzlich 1000 Euro mehr kosten würde, dann ist das für mich nicht mehr wirklich reizvoll und dann reicht meine langfristige Motivation aus und ich setze mich hin und schreibe.

Motivation verstärken

Oft ist es dann noch so, dass ich schon ein bisschen traurig bin, dass ich zum Beispiel da nicht mit kann. Dann mache ich den Computer an, schließe die Augen und stelle mir ganz detailiert vor, wie es ist, wenn ich mein Buch fertig geschrieben habe. Wem werde ich es dann ganz stolz zeigen und was werden diese Leute zu mir sagen. Wie werden die Zeitungen darüber berichten und welches Feedback bekomme ich. Wie wird sich das auf meinen Kontostand auswirken und was werde ich mir von einem Teil des Geldes leisten. Dadurch breitet sich ein sehr starkes Gefühl der Motivation in mir aus. Plötzlich ist mir das egal, dass ich allein im Hotel bleibe, denn plötzlich will ich nicht nur eine Stunde schreiben, sondern gleich den ganzen Abend. Mir fallen plötzlich viele Themen ein und ich denke mir „Los gehts!“.

Dieses Konzept und das Konzept das Leben als ein Spiel zu betrachten haben ich miteinander verknüpft und ein Spiel für mich entworfen, welches mich durch Bestrafung und Belohnung motiviert mich immer wieder Herausforderungen zu stellen, meine Komfortzone zu verlassen und so immer noch ein Level meines Lebens zu schaffen. Darüber werde ich in einem meiner nächsten Beiträge berichten.

Du hast gerade ein Ergebnis der oben beschriebenen Strategie gelesen. Wenn Du auch weiterhin immer wieder neue Inspiration für ein noch tolleres Leben bekommen möchtest, dann trage Dich einfach hier in meinen Newsletter ein:

15 Kommentare
  1. Stephan says:

    Hi Sascha,

    ich glaube, ich habe einen „Fehler“ in deinem System gefunden, der die hin zu Motivation nicht ganz funktionieren lässt.
    Er liegt in deiner Zielsetzung. Du schreibst, dass wenn du heute nicht schreibst, wird dein Buch eben einen Monat später fertig. Und hier liegt der Fehler. Wenn du dich an der klassischen Zielsetzung orientierst, müssen Ziele terminiert sein. Wenn du dir also folglich vornimmst, dass dein Buch in 3 Monaten fertig sein muss (z.B. am 15.04.2011), dann weißt du, dass du JETZT schreiben musst, um zu diesem Zeitpunkt fertig zu werden. Das kannst du dann auch noch immer weiter runter brechen. z.B.: Um in drei Monaten fertig zu werden, muss ich in zwei Monaten 2/3 des Buch fertig haben und in einem Monat 1/3. Das bedeutet ich muss heute so und so viele Seiten schreiben, um in einem Monat auch soweit sein zu können, wie ich muss…

    Ich hoffe ich konnte dir einen Denkanstoß geben.

    Viel Erfolg weiterhin und genieße die Zeit in Thailand.

    Beste Grüße

    Stephan

  2. Sascha Ballach says:

    Hi Stephan,
    das ist mir natürlich bewusst, allerdings halte ich mich an solche Termine eher selten, so lange ich da keinen Druck für habe. Ich trainiere mich da gerade um. Bisher war es eher so, dass ich Gründe gefunden habe, selbst gesetzte Termine zu verschieben, was sich dann natürlich auf die Motivationsstrategie auswirkt. Im Idealfall ist es natürlich so wie Du es beschreibst und wenn ich so weit bin, dann kann ich auch auf Weg-Von Motivation verzichten. Im Moment hilft sie mir sehr.
    Beste Grüße,
    Sascha

  3. Alex says:

    Hi Sascha,

    zu diesem Punkt hab ich in einem Procrastination-Blog einen spannenden Artikel gelesen. Es ging darum diese Art der Entscheidung mit dem Sozialverhalten zu vergleichen. – Genauso, wie ich mir die Frage stellen kann „Spül ich jetzt oder lass ich den Kram für meinen Mitbewohner stehen,“ genauso kannst du dich fragen „Schreib ich jetzt, oder überlass ich diese Mühe meinem ‚Future Self‘ und amüsier mich lieber?“

    Den Artikel findet ihr unter http://bit.ly/gZLmGa

  4. Alex says:

    PS: Hier ist ein Kommentar, den ich zu diesem Artikel geschrieben hab:

    Thanks Tim, that was an inspiring article.

    May procrastination from this point of view be regarded as some kind of autoimmune disorder?

    Today I might want to decide to act for the benefit of my future self, but I feel exhausted and decide not to. Unfortunately this means that tommorow (with the burden I put on my future self) I will feel even more stressed and even less able to act on behalf of my future self. Seems like a vicious cycle.

    If I see through it, I might be able to muster the energy to pay for some of the „procrastinatic debt“ accrued in the past and still pay something forward for my future self. – Like paying off debt and saving at the same time.

    I really like this future self idea and hope it will lead me to the right decisions.

  5. Andreas Z. says:

    Hey Sascha,

    wie wär’s denn, wenn du deine festen Termine, an denen du dein Ziel erreichen willst, so mit etwas verbindest, dass es dich viel Aufwand kosten würde, den Termin zu verschieben? Du könntest die Termine so gestalten, dass du gar keine Wahl mehr hast, du sie einhalten musst.

    Wenn du dein Buch an einem bestimmten Termin fertig haben willst, dann sorge dafür, dass es da fertig sein muss. Das kannst du z.B. machen, indem du dir einen Lektor suchst, der das Buch zu dem Termin bekommen muss, weil es für ihn später nicht möglich wäre, das Buch zu bearbeiten, dann hast du keine Wahl mehr. (Gibt sicherlich noch bessere Möglichkeiten, aber das fiel mir jetzt so ein.)

    Oder wenn du ein Seminar machen willst und die Inhalte noch nicht erarbeitet hast, dann miete einfach schonmal einen Raum dafür und schick Einladungen raus und lass die Leute sich anmelden. Dann hast du keine Wahl, als bis zum Termin des Seminars fertig zu werden.

    Besten Gruß
    Andreas

  6. Tobias Brugger says:

    Zwei Dinge, die ich als etwas problematisch erachte bzw. worauf ich hinweisen möchte:
    1. Extrinsische Motivation: kann natürlich auch hilfreich sein, die intrinsische Motivation sollte aber deutlich überwiegen.
    2. Außerdem kannst du Kreativität nicht erzwingen. Manchmal gibt es Phasen, da sprudelt es nur so aus einem heraus, ein ander Mal geht gar nix… Vor allem würde ich auch auf den Zeitpunkt, wann die Kreativität am größten ist, suchen. Bei mir ist das zum Beispiel oft am späten Abend und der Nacht.

  7. Tobias says:

    Hallo Andreas,

    das Nichteinhalten von Terminen mit negativen Konsequenzen (z. B. Aufwand) zu verbinden, ist doch aber auch wieder Away-From: Ich möchte die negativen Konsequenzen vermeiden, also halte ich meinen Plan ein.

    Viele Grüße
    Tobias

  8. Andreas Z. says:

    Hey Tobias,

    ich versteh, was du meinst, aber ich stimme dir da nicht ganz zu. Klar kannst du den Aufwand wenn du willst als etwas Negatives sehen. Aber im Gegensatz zu dem Beispiel mit dem Geld verlieren gibt es hier einen Unterschied. Der Aufwand ist nicht als Bestrafung gedacht (so wie das Geld verlieren), sondern er stärkt das Ziel. Durch den festen Termin, an dem das Ziel erreicht werden muss, weil es gar nicht anders geht, wird das Ziel wichtiger. Und wenn das Ziel wichtiger wird, dann fokussierst du dich auf das Ziel und nicht auf das, was dafür sorgt, dass das Ziel wichtiger wird. Damit wäre es doch „Hin zu“.

    Mal davon abgesehen ist das für mich die effektivste Methode, Ziele zu erreichen (in Kombination damit, Dinge zur Gewohnheit zu machen, die mich dem Ziel näher bringen). 😉 Ich nehme mir schließlich die Wahl weg. Und wenn ich keine Wahl mehr, habe fokussiere ich mich damit ganz auf das Ziel.

    Gruß
    Andreas

  9. Tobias says:

    Hey Andreas,

    ja, die Sichtweise kann ich auch verstehen. Für mich fühlt es sich aber anders an. Denn „es geht schon anders“ – es ist halt nur mit Aufwand verbunden, den ich nicht in Kauf nehmen will.

    Letztendlich sehe ich das aber pragmatisch: Gut ist, was funktioniert!

    Wenn für Sascha die Sache mit den 1000 € funktioniert, ist es doch gut so. Und wenn für Dich das Unvermeidbar-machen des Termins funktioniert, ist das auch gut.

    Ich habe wieder mein eigenes System, was auch eine Kombination aus Hin-zu und Weg-von ist, und welches für mich gut funktioniert.

    Letztendlich wird „Zuckerbrot und Peitsche“ – also die Kombination von beiden Methoden – schon seit tausenden von Jahren angewandt. Ob es jetzt die nach reiner Schule optimale Motivation ist, ist dann erst die nächste Frage. Und letztendlich muss man auch erst mal bereit für eine reine Hin-Zu-Motivation werden, wie ja auch schon Sascha geschrieben hat.

  10. Andreas Z. says:

    Jo, genau so seh ich das auch. Hauptsache es funktioniert.

    Bei mir ist es auch so, dass ich das mit der reinen Hin-Zu Motivation noch nicht immer kann. Ich habe allerdings in letzter Zeit einige Dinge in meinem Leben nur aus Hin-Zu Gründen geändert und ich hab das Gefühl, dass das jetzt auch in anderen Bereichen viel leichter funktioniert. Ist wohl wieder mal Übungssache.

  11. Tobias says:

    Entweder Übungssache, oder es hat mit dem Grad an Persönlichkeitsentwicklung zu tun, auf dem man sich befindet, oder mit einem Bewusstseinsgrad, oder was auch immer.

    Nach reiner Lehre würde ich auch immer sagen, Hin-zu ist besser. Aber selbst internationale Experten empfehlen für schnelle Erfolge immer auch(!) Weg-von-Motivation als Schlüssel zum Erfolg – sie lässt sich halt immer einfacher implementieren, und sie zeigt oft den gewünschten Erfolg!

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