Wie Du schneller lesen und mehr behalten kannst

Vor ein paar Tagen kam es bei einem Post von mir bei Instagram zu einer kleinen Diskussion. Ich habe den Spruch „Ausgelernt ist Altenheim fürs Gehirn!“ gepostet. Dazu erwähnte ich, dass ich ungefähr 3 Bücher in der Woche lese. Schnell kam die Frage auf, wie ich das mache und ob ich mir das überhaupt alles merken kann. Kurz habe ich darauf schon geantwortet. Hier werde ich jetzt etwas länger darauf antworten.

Warum ist es wichtig schneller lesen zu können?

Kaum jemand fragt, wie wir die Zeit haben zu schlafen oder zu essen, aber ich werde immer wieder gefragt, wie ich die Zeit habe so viel zu lesen. Für mich ist Lesen (und damit beziehe ich mich auf Sach- und Fachliteratur) sehr wichtig, unter anderem aus folgenden Gründen:

  1. Der erste Grund ist ziemlich offensichtlich. Du eignest Dir mehr und mehr Wissen an, was wieder verschiedene Vorteile hat. Am wichtigsten, meiner Meinung nach, ist, dass dieses Wissen helfen kann neue Zusammenhänge und Verknüpfungen zu bilden. Zum Beispiel bin ich gerade dabei Trainingsmethoden aus dem Fitness Bereich auf das Erlernen neuer Fähigkeiten anzuwenden.
    Natürlich hilft Dir mehr Wissen auch in vielen anderen Situationen. Ich hatte mal ein Verkaufsgespräch, bei dem wir uns nicht über das Produkt, sondern über Golf unterhalten haben. Ich spiele zwar kein Golf, habe aber trotzdem genug Ahnung davon, um zumindest halbwegs mitreden zu können. Man weiß nie, wo einem das Wissen mal helfen kann. Und ein umfangreiches Allgemeinwissen ist immer gut.
  2. Lesen hilft Dir bei der Meinungsbildung. Wichtig ist dabei, dass man nicht nur das liest, was die Meinung bestätigt, sondern vor allem auch etwas, welches der eigenen Meinung widerspricht. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Ernährung. In der Zeit habe ich so gut wie alle Ideen dazu gelesen und die meisten auch ausprobiert. Ich war immer der Meinung, dass es sowas wie eine gesunde Ernährung gibt. Jetzt liegt bei mir ein Buch auf dem Tisch, in dem ein Ernährungsberater Studien zusammengestellt hat, die angeblich beweisen, dass es etwas wie eine gesunde Ernährung nicht gibt. Ich bin gespannt.
  3. Irgendwo habe ich gelesen: „Whatever problem you’re struggling with is probably addressed in some book somewhere written by someone a lot smarter than you.“ Falls Du kein Englisch verstehst, das heißt ungefähr: „Egal welches Problem Du hast, dann gibt es sicher ein Buch, in dem das jemand schlaueres als Du anspricht.“ Es hilft, bei Problemen zu lesen. Manchmal ist es nicht nötig, ein konkretes Buch zum Thema zu lesen, siehe Punkt 1.
  4. Vielleicht hast Du schon einmal gehört oder gelesen, dass Du bist wie die 5 Menschen, mit denen Du die meiste Zeit verbringst. Ob es jetzt mehr oder weniger Menschen sind, ist nicht so wichtig. Aber man kann tatsächlich anhand des Umfelds Rückschlüsse auf die Zukunft einer Person ziehen. Und den Meisten fällt es sehr schwer sich aus einem bestehenden Umfeld zu lösen und sich einfach so mit anderen Menschen zu umgeben, was man bei jahrelangen Freundschaften vielleicht auch nicht möchte.
    Als ich das erste Mal davon gehört habe, machte ich mich auf die Suche nach einem Mentor, bzw. nach mehreren, für jedes Thema einen. Das ist mir leider nicht so leicht gefallen. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich durch die Bücher so viele Mentoren haben kann, wie ich will. Ich kann mich ganz einfach und kostengünstig mit Menschen umgeben, die in ihrem Bereich erfolgreich sind.
    Aber Achtung: Du umgibst Dich auch mit ihren Glaubenssystemen und sicher sind bei einigen Büchern auch verschiedenste Ausschmückungen und Umdeutungen dabei. Deswegen solltest Du Dir angewöhnen Bücher kritisch zu lesen.
  5. Vielleicht stößt Du beim Lesen auf Deine Berufung, falls Du sie nicht schon hast. Das funktioniert natürlich nicht so gut, wenn man immer das Gleiche liest. Auch in dem Zusammenhang macht es Sinn sich mit verschiedenen Themen zu beschäftigen und auch mal Themen auszuprobieren, für die man sich bisher nicht interessiert hat.
  6. Es gibt verschiedene Studien, die nachweisen, dass sich Demenz und sogar Alzheimer verhindern oder lindern lassen, wenn man sein Gehirn regelmäßig intensiv benutzt. Jeden Tag Sudoku reicht da nicht aus. Scheinbar ist es für das Gehirn sehr vorteilhaft, wenn man sich regelmäßig mit neuen Themen beschäftigt und sich in diese Themen intensiv einarbeitet. Zu lesen ist da ein erster Schritt, aber noch nicht ausreichend. Dazu werde ich demnächst einen eigenen ausführlichen Artikel schreiben. Es lohnt sich als Dich zum Newsletter anzumelden.

Zusätzlich ist Lesen, wenn man es in höherer Geschwindigkeit beherscht, die schnellste Form der Wissensaufnahme. Die Tendenz geht heute bei vielen zu Hörbüchern oder Videos. Aber selbst wenn man die mit doppelter Geschwindigkeit hört und schaut, kommt das nicht an schnelles Lesen heran. Lesen hat auch den Vorteil, dass man einfach Sätze und Absätze überspringen kann, die für einen nicht interessant sind. Das bringt zusätzliche Geschwindigkeitsvorteile. Aber Vorsicht, das hat auch einen Hacken. Ich kann Videos und Hörbücher nicht sehen oder hören. Ich werde sehr schnell ungeduldig, weil das alles so langsam geht. Viel zu wenig Information in viel zu viel Zeit. Daher nutze ich Autofahrten inzwischen nicht mehr für Hörbücher, sondern zum Nachdenken.

Schneller lesen

Es gibt verschiedene Schnelllesemethoden, wie Flächenlesen oder Photo Reading, um nur zwei zu nennen. Die Basis ist aber bei allen die Gleiche. Es geht darum, die Augen nicht mehr wortweise zu bewegen, sondern so schnell, dass die Wörter nicht mehr bewusst wahrgenommen werden. Das fällt den Meisten eher schwer, schließlich haben wir so lesen gelernt. Erst Buchstabe für Buchstabe und dann Wort für Wort.
Am einfachsten funktioniert es das zu lernen, wenn man gar nicht erst versucht zu lesen, sondern einfach nur die Augen auf verschiedene Arten über den Text bewegt. Ich mache deswegen folgende Übungen zwei bis dreimal pro Woche für 5 Minuten.
Achtung: Du solltest die Übungen nicht öfter oder länger machen. Bei dem Training werden Deine Augenmuskeln trainiert und genauso wie beim Training im Fitness Studio brauchen die Muskeln Regeneration und Übertraining schadet eher. Außerdem solltest Du ausgeschlafen sein, wenn Du die Übungen machst. Scheinbar kann es sonst zu Kopfschmerzen und anderem führen.

Mache die vier Übungen, in welcher Reihenfolge Du willst. Nimm Dir irgendein Buch und schlage es irgendwo auf. Es geht nicht darum, dass Du den Inhalt liest oder verstehst. Es sind Augenübungen, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Noch eine wichtige Anmerkung, halte Deinen Kopf still. Die Muskeln Deiner Augen sollen trainiert werden, das funktioniert aber nicht, wenn Du den ganzen Kopf, statt Deiner Augen bewegst. Vielleicht stützt Du Deinen Kopf einfach in Deine Hände. So ist er fixiert und Deine Augen dürfen arbeiten.

Die 4 Übungen:

  • Zeile für Zeile
    Bei dieser Übung gehst Du mit Deinen Augen Zeile für Zeile durch den Text. So, als würdest Du lesen. Achte darauf, dass Deine Augen nicht an einzelnen Worten hängen bleiben. Wie gesagt, es ist eine Augenübung und es geht nicht ums Lesen.
  • mehrere Zeilen hin und her
    Bei dieser Übung erfasst Du mit Deinen Augen zwei drei Zeilen gleichzeitig. Du folgst ihnen mit den Augen bis zum Ende und gehst dann bei den nächsten zwei drei Zeilen wieder zurück zum Anfang. Du betrachtest die Zeilen dann also rückwärts.
  • eine ganze Seite
    Bei dieser Übung gehst Du in einer Wellenbewegung von oben nach unten über die Seite und von Seite zu Seite.
  • zwischen den Zeilen
    Bei der letzten Übung liest Du zwischen den Zeilen. Du konzentrierst Dich also auf den Freiraum zwischen den Zeilen und auf den oberen Teil der unteren Zeile. Den meisten Menschen gelingt es, wenn die untere Hälfte einer Zeile abgedeckt ist, trotzdem den Text zu lesen. Du brauchst also gar nicht die komplette Zeile wahrnehmen, um die Information aufzunehmen. Das nur als Hintergrund, denn auch bei dieser Übung geht es nicht ums Lesen.

Mehr behalten

Jetzt weißt Du, wie Du trainieren kannst schneller zu lesen. Das ist allerdings nur die halbe Miete. Das ganze Wissen muss auch gespeichert und verarbeitet werden. Dazu ist es nötig, dass Du mit dem Buch arbeitest, es also nicht einfach nur liest. Ich werde Dir im folgenden ein paar Ansätze dafür vorstellen. Zu dem Thema kann ich Dir das Buch „Wie man ein Buch liest“ sehr empfehlen.

Hier ein paar Anregungen:

  • ein paar Gedanken voraus
    Bevor Du mit dem Lesen anfängst, überlege Dir, was Du Dir von dem Buch versprichst. Welche Fragen hättest Du gern beantwortet. Welche Aspekte des Themas interessieren Dich besonders.
  • Inhaltsverzeichnis und Klappentext
    Lies den Klappentext und das Inhaltsverzeichnis. Konkretisiere Deine Fragen. Welches Kapitel interessiert Dich besonders und warum. Warum hat der Autor die Kapitel so strukturiert?
  • Notizen
    Lange Zeit habe ich Bücher einfach nur gelesen und mir eben das gemerkt, was Hängen geblieben ist. Inzwischen bin ich dazu über gegangen, mir beim Lesen Notizen zu machen. Ich konnte mich nie damit anfreunden direkt in die Bücher rein zu schreiben, zu unterstreichen oder Eselsohren rein zu machen. Auch jetzt, wo ich viel elektronisch lese, mache ich das nicht. Für Dich kann das aber eine wertvolle Technik sein. Ganz wichtig dabei ist, dass Du Dir das Buch dann ein paar Tage später noch einmal zur Hand nimmst und all Deine Markierungen und Kommentare durchgehst und sie auf Karteikarten oder in einer Mindmap oder ähnlichem vermerkst. Dabei solltest Du alle inzwischen doch unwichtigen Notizen aussortieren.
    Ich habe mich für den direkten Weg entschieden. Lange Zeit habe ich meine Notizen in Mind Maps festgehalten. Inzwischen bin ich zu elektronischen Karteikarten übergegangen und nutze dafür Gingko.
    Wenn Du Englisch verstehst, empfehle ich Dir zur weiterführenden Lektüre die beiden Artikel „This Simple Note-Taking Method Will Help You Read More (and remember what you’ve read“ und „The Notecard System: The Key For Remembering, Organizing And Using Everything You Read“. Falls Du Englisch nicht lesen kannst, versuche es mit Google Translate. Da kommt zwar kein perfektes Deutsch heraus, aber die Inhalte sind meistens verständlich.
  • Lehren
    Du lernst am Meisten, wenn Du es anderen beibringst. Also erzähle anderen davon, was Du gelesen hast. Erkläre ihnen die wichtigsten Punkte. Lass sie Fragen stellen und beantworte diese so gut wie möglich. Das hilft Dir nicht nur beim Merken, sondern beim Verstehen und Verarbeiten.
    Nutze dieses Vorgehen nicht nur für das ganze Buch, sondern auch für einzelne Kapitell. Wenn Du gerade niemanden hast, dem Du den Inhalt erklären kannst, dann erkläre ihn Dir und hinterfrage Deine Erklärungen.
  • Debatieren
    Nimm die gegenteilige Meinung des Autors an und verteidige sie sachlich. Warum hat der Autor unrecht mit seinen Aussagen. Wo sind logische Lücken enthalten. Ich finde die Idee der Debatierclubs in Amerika super und staune, dass es diese in Deutschland nicht gibt. Irgendwann gründe ich mal einen. Mal die Position der Gegenseite einzunehmen kann sehr erhellend sein.
  • Rekapitulieren
    Schau Dir kurz, also ungefähr eine Minute, Deine Notizen an und erinnere Dich danach an so viele wie möglich von ihnen, indem Du sie noch einmal aufschreibst. Schau dann, welche Dir eingefallen sind und welche nicht. Lässt sich da ein Muster erkennen?

Neben diesen Tipps zum Bearbeiten von Büchern habe ich noch ein paar Tipps für Dich:

  • Bücher zu Ende lesen
    Je nachdem wie Du drauf bist, kann es hilfreich sein es mal anders zu machen. Wenn Du z.B. Bücher häufig nicht zu Ende liest, dann ändere das doch mal. Oder wenn Du wie ich Bücher meistens von Anfang bis Ende liest, dann lies doch vielleicht mal nur ein Kapitell oder die Kapitel durcheinander. Lies nur die Kapitel, die Dich besonders interessieren.
  • Bücher mehrmals lesen
    Vielleicht ist Dir auch schon aufgefallen, dass Du in einem Buch ganz andere Inhalte entdeckst, wenn Du es später noch einmal liest. Ich hatte es schon, dass ich wusste, dass ich das Buch schon gelesen habe, ich von den Inhalten aber mega überrascht war. Wo kamen die plötzlich her? Wieso habe ich die damals nicht wahrgenommen?
  • immer ein Buch dabei
    Ich habe immer ein Buch dabei, meistens sogar mehrere. Und da ich mein Tablett auch meistens dabei habe, sogar hunderte. Ich finde immer wieder Gelegenheiten, ein bisschen zu lesen. Im Laufe eines Tages kommt da ganz schön was zusammen.
  • vor dem Schlafen lesen
    Egal wie anstrengend mein Tag war oder wie müde ich bin. Ich lese jeden Abend vor dem Einschlafen mindestens eine Seite. Oft wird es dann doch sehr viel mehr. Wichtig dabei ist darauf zu achten, was Du bei dieser Gelegenheit liest. Dein Unbewusstes wird sich die ganze Nacht damit beschäftigen.

Hast Du noch Anregungen oder Fragen? Dann schreibe mir einen Kommentar. Konntest Du was mitnehmen? Dann schreibe mir auch einen Kommentar. Und wenn Dich weitere Artikel rund um das Thema Persönlichkeitsentwicklung mit den verschiedenen Facetten interessieren, dann melde Dich hier einfach zum Newsletter an: