Zurück in die Zukunft – Haben wir uns wirklich weiterentwickelt?

Vor 30 Jahren erschien der Film “Zurück in die Zukunft”. In ihm landen die Protagonisten 30 Jahre in der Zukunft, heute. Im Film gibt es heute fliegende Autos, fliegende Skateboards und einiges mehr. Da frage ich mich, was haben wir davon wirklich erreicht?

 

Am Freitag war ich beim 14. Wissensforum in Stuttgart und durfte dort dem Vortrag von Sven Gabor Janszky, Trendforscher, lauschen. Er sprach davon, dass unser Fortschritt nicht linear, sondern exponentiell ist. Als Beweis führte er das Moorsche Gesetz an, laut dem sich die Prozessorleistung alle 18 Monate verdoppelt, was ein exponentielles Wachstum ist. Nur ist die exponentielle Steigerung der Prozessorleistung ein Beweis, dass wir uns exponentiell weiterentwickeln?

 

Am Samstag war ich auf der Buchmesse in Frankfurt. Angeblich erscheinen jedes Jahr über 90.000 Bücher, wodurch sich der eine oder andere dazu hinreißen lässt zu behaupten, dass sich unser Wissen alle 5 Jahre verdoppelt. Aber verdoppelt sich unser Wissen wirklich, nur weil wir viele Bücher schreiben?

 

Im Computerbereich kenne ich mich am Besten aus, daher möchte ich mich von dieser Seite den Fragen nähern. Vor 15 Jahren erschien Windows 2000 und ich habe viele Jahre sehr gut damit gearbeitet. Ich weiß gar nicht mehr, welchen Prozessor, wie viel Arbeitsspeicher und welche Festplatte ich hatte. Ich weiß allerdings, dass ich damals am Rechner genau das Gleiche gemacht habe wie heute. Ich habe eMails gelesen und geschrieben, im Internet gesurft, Websiten programmiert, mit Word und Indesign Dokumente erstellt und mal ein Video gesehen oder Musik gehört. Ich hatte dabei manchmal das Gefühl, dass der Rechner ruhig etwas schneller sein könnte, aber es hat alles funktioniert. Heute mache ich wie gesagt mehr oder weniger das Gleiche, habe immer noch das Gefühl, dass alles etwas schneller sein könnte, aber es funktioniert. Wo ist da die Weiterentwicklung? Laut Moorschen Gesetz sollte mein Rechner jetzt 1024 mal so schnell sein wie mein damaliger Rechner. Davon spüre ich irgendwie nichts oder nicht viel.

 

Vor ca. 5 Jahren habe ich mir mein erstes Smartphone, ein Motorola Droid, gekauft. Damals habe ich damit gesurft, eMails geschrieben/gelesen, Fotos gemacht und mich navigieren lassen. Mit meinem heutigen Smartphone mache ich genau das Gleiche und habe auch nicht wirklich das Gefühl, dass es viel besser als früher geht. Ok, die Kamera ist heute wirklich sehr viel besser, aber sonst? Ich habe zwar mehr Speicher, dafür hat aber ein Update dann auch 800MB, so dass mein Speicher eigentlich wieder zu klein ist.

 

So lassen sich sicher noch einige Bespiele finden. Auf dem Papier mag alles besser geworden zu sein, aber für mich spürbar sind diese Verbesserungen nicht, schon gar nicht exponentiell, wie es Herr Janszky behauptet.

 

Schauen wir uns die Entwicklung unseres Wissens an. Herr Janszky hat mit seiner Behauptung des exponentiellen Wachstums sicher in Bezug auf das Internet recht. Das Internet wächst unwahrscheinlich schnell. Täglich entstehen Millionen neue Seiten, Milliarden Facebook Posts usw. Nur bedeutet das, dass unser Wissen ähnlich schnell wächst? Ich habe eher das Gefühl, dass wir immer blöder werden. Aber selbst wenn wir tatsächlich immer mehr Wissen haben, was machen wir dann damit? Wird unsere Welt wirklich besser? Wie sieht es mit Krankheiten wie Krebs und AIDS aus? Immer wieder wurde versprochen, dass wir sie bald heilen können. Sind war da wirklich vorwärts gekommen? Oder was ist mit unserer Ernährung? Ist es wirklich ein Fortschritt, dass wir uns kaum noch von Lebensmitteln ernähren und stattdessen immer mehr künstlich in der Fabrik produziertes in uns rein stopfen? Wie sieht es in der Unterhaltungsindustrie aus? Was von dem, was wir in den letzten Jahren an Filmen, Büchern usw. produziert haben wir tatsächlich die Jahrhunderte überstehen, so wie es Menschen wie Platon, Sokrates, Mozart, Goethe usw. geschafft haben?

 

Wie siehst Du das? Haben wir uns weiterentwickelt oder nicht? Wie kommst Du zu diesem Ergebnis? Schreibe mir in die Kommentare. Ich freue mich auf unsere Diskussion.